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Hauskauf mit Altlasten: Wie du das Bodeninformationssystem richtig abfragst

Der Kauf einer Immobilie ist eine der größten Investitionen im Leben. Doch was, wenn der Traum vom Eigenheim auf potenziellen Altlasten steht? Das Bodeninformationssystem (BIS) ist ein entscheidendes Werkzeug, um böse Überraschungen zu vermeiden und fundierte Entscheidungen zu treffen.

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Was sind Altlasten und warum sind sie beim Hauskauf relevant?

Altlasten bezeichnen stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen wurde, die zu schädlichen Bodenveränderungen oder anderen Gefahren für Mensch und Umwelt führen können. Dazu gehören beispielsweise ehemalige Industriebrachen, Tankstellen, Deponien oder chemische Reinigungen. Die Risiken beim Kauf eines mit Altlasten behafteten Grundstücks sind vielfältig und gravierend: Neben Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe können Sie als neuer Eigentümer für immense Sanierungskosten haftbar gemacht werden, die den Wert der Immobilie weit übersteigen können. Eine sorgfältige Prüfung ist daher unerlässlich, um teure Überraschungen zu vermeiden und Ihre Investition zu schützen.

Das Bodeninformationssystem (BIS): Ihr Schlüssel zur Risikobewertung

Das Bodeninformationssystem (BIS) ist eine behördliche Datenbank, die Informationen über Grundstücke, auf denen Altlasten vermutet oder bereits festgestellt wurden, sammelt und bereitstellt. Es dient als zentrales Register für potenzielle und bestehende Altlasten und gibt Aufschluss über frühere Nutzungen eines Grundstücks, vorhandene Untersuchungsberichte und mögliche Gefährdungen. Jedes Bundesland bzw. jede Kommune führt ein solches System, oft auch als Altlastenkataster bezeichnet. Die Abfrage des BIS ist ein essenzieller Schritt Ihrer Due-Diligence-Prüfung und ermöglicht es Ihnen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einzuleiten, bevor Sie sich vertraglich binden.

So fragen Sie das Bodeninformationssystem richtig ab
  • Zuständige Behörde identifizieren: Das BIS wird von den unteren Bodenschutzbehörden oder Umweltämtern der Städte und Landkreise geführt. Eine kurze Recherche auf der Webseite Ihrer Kommune oder des zuständigen Landkreises hilft Ihnen, die richtige Anlaufstelle zu finden.
  • Antrag stellen: Formulieren Sie einen schriftlichen oder – falls angeboten – online Antrag auf Auskunft aus dem Altlastenkataster. Geben Sie dabei die genauen Daten des Grundstücks an (Gemarkung, Flur, Flurstück oder vollständige Adresse).
  • Berechtigtes Interesse nachweisen: In der Regel müssen Sie ein berechtigtes Interesse an der Abfrage nachweisen. Als Kaufinteressent einer Immobilie ist dies in der Regel gegeben. Legen Sie bei Bedarf den Maklerexposé oder eine Besichtigungsbestätigung bei.
  • Kosten und Bearbeitungszeit beachten: Die Abfrage ist in der Regel gebührenpflichtig, die Kosten sind jedoch überschaubar. Planen Sie auch eine gewisse Bearbeitungszeit ein, die je nach Behörde variieren kann.
  • Ergebnisse interpretieren: Die Auskunft kann unterschiedliche Klassifizierungen enthalten (z.B. Verdachtsfläche, Altlast, Sanierungsfläche). Lassen Sie sich die Ergebnisse im Zweifelsfall von einem Experten (z.B. Umweltgutachter) erläutern.
  • Weiterführende Maßnahmen: Ergibt die Abfrage Hinweise auf Altlasten, ist eine detaillierte Bodenuntersuchung (Bodengutachten) durch einen Sachverständigen dringend anzuraten, um das genaue Ausmaß der Belastung und die damit verbundenen Kosten abzuschätzen.

Was tun, wenn das BIS Hinweise auf Altlasten liefert?

Sollte die Abfrage des Bodeninformationssystems Hinweise auf potenzielle oder bestehende Altlasten ergeben, ist dies kein automatisches Ausschlusskriterium für den Kauf, aber ein starkes Warnsignal. Bewahren Sie Ruhe und leiten Sie die nächsten Schritte ein: Bestehen Sie auf einem umfassenden Bodengutachten, das Art, Umfang und Ausmaß der Kontamination präzise feststellt. Die Kosten für ein solches Gutachten sollte idealerweise der Verkäufer tragen, da es in seinem Interesse liegt, Klarheit zu schaffen. Basierend auf den Ergebnissen des Gutachtens können Sie fundiert verhandeln: Dies kann eine Reduzierung des Kaufpreises, eine vertragliche Vereinbarung zur Kostenübernahme der Sanierung durch den Verkäufer oder im schlimmsten Fall der Rücktritt vom Kauf sein. Ziehen Sie in jedem Fall einen spezialisierten Rechtsanwalt und einen Umweltgutachter hinzu, um Ihre Rechte zu wahren und die bestmögliche Lösung zu finden. Eine transparente Kommunikation mit dem Verkäufer ist dabei entscheidend.

Häufige Fragen